Die Schiffstypen

Welche Schiffe waren in Haithabu zu Hause, welche Schiffe liefen diesen Hafen an? Die Binnen- wie Hochseeschifffahrt benutzte jeweils besondere Fahrzeuge. Für warentransport- und handel hatte man Schiffstypen zur Verfügung, die sich stark unterschieden von Schiffen, die nur im Rahmen kriegerischer Unternehmungen zum Einsatz kamen.

In Haithabu wurden 3 Schiffe der Wikingerzeit gefunden, bezeichnet als Wrack 1, Wrack 2 und Wrack 3. Bei dem Wrack 1 ( ähnlich Abb. oben) handelt es sich um ein königliches Kriegsschiff mit einer Breite von ca. 3m und einer Länge von ca. 28-30 m. Es führte 42- 48 Riemen und einer Besatzung von etwa 50-55 Mann. Das Schiff war nicht armiert wie Kriegsschiffe anderer Zeiten, es diente vielmehr als Truppentransporter. das schiff konnte sowohl gerudert als auch gesegelt werden. Dank des schlank gebauten Unterwasserschiffes dürfte das Schiff eine gute Manövrierfähigkeit besessen haben. Wegen seinem geringen Tiefganges werden ihm alle Strände im Bereich der Ostsee, seinem besonderen Operationsgebiet, zugänglich gewesen sein. Unter Ruder dürfte die Reisegeschwindigkeit bei 6 Knoten gelegen haben, unter Segel wird sie auf 3-7 Knoten geschätzt und bei extremen Bedingungen sogar auf 15 bis maximal 20 !! Knoten. das Schiff konnte doppelt so schnell laufen wie zeitgenössische Lastschiffe.
Wenn man von Wrack 2 auch nur wenige Plankenstücke und Spanten geborgen hat, so ergibt sich daraus doch ein besonders interessanter gewissermaßen "völkerverbindender" Fund (Modell Abb. Links). die Planken dieses ca. 12 m langen Schiffes sind aus Eiche- Buchen- und Kiefernholz gefertigt. Die Bodenkonstruktion war möglicherweise mit Eisennieten verbunden, die mittleren aus Buchenholz sowie die oberen aus Kiefernholz mit Holznägeln zusammengehalten. Planken mit Eisennieten sind typische Merkmale skandinavischer Bauart. Planken mit Holznägeln charakterisieren den slawischen Bootsbau.
Diese ungewöhnliche Kombination verschiedener Bootsbautraditionen, wirft die frage auf: Wurde dieses vielleicht ursprünglich auf einer skandinavischen Werft gebaute Schiff von slawischen Bootsbauern umgebaut, um danach erneut seinen dienst zu tun, bis es im Hafen von Haithabu sank. 
Bei Wrack 3 (ähnliche Abb. rechts) handelt es sich um ein großes skandinavisches Lastschiff vom Typ Knorr. Das Schiff war 24-26 m lang, mittschiffs 5,70 m breit und besonders hochbordig und robust gebaut. Es besaß eine Ladekapazität von mind. 40 t. 5-6 Mann haben ein solches Schiff segeln können, je nach Bedarf konnte die Mannschaft aber auch größer sein. Beladen hatte das Schiff einen Tiefgang von 1,50 m, leer, nur mit Ballast (Steine) getrimmt, ca. 1,20 m.
Für die Binnen- und Flussschifffahrt hatten die Schiffe gewöhnlich eine Ladekapazität von ca. 12 t und einen noch geringeren Tiefgang. Schiffe waren in Zeiten als es noch keine ausgebauten Fernstraßen gab, das Leistungsfähigste Transportmittel. Durch seine große Reichweite, hohe Reisegeschwindigkeit und bedeutende Ladekapazität war es an Wirtschaftlichkeit dem Wagen vielfach überlegen.

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