Haithabu

Im Haddebyer Noor nahe an Schleswig liegt das ehemalige Handelszentrum Haithabu. Haithabu gehört neben Ribe und Birka zu einem der Bedeutensten Städte der Wikingerzeit. Durch seine günstige Lage an der Schlei und den damit verbundenen Zugang zur Ostsee entwickelte sich Haithabu sehr schnell zu einem Fernhandelspunkt. Im Jahr 804, wird in den Fränkischen Reichsanalen erstmals über Haithabu berichtet. Der entscheidende Impuls für die Entwicklung und den planmäßigen Ausbau des Ortes zum führenden Handelsplatz in Nordeuropa dürfte zu Beginn des 9. Jahrhunderts vom tatkräftigen dänischen König Göttrick (Godofridus) ausgegangen sein, nachdem er 808 auf einem Feldzug den slawischen Handelsort Rerik, der offenbar mit Haithabu konkurrierte, zerstört hatte.
 Er siedelte die ihm steuerpflichtigen Kaufleute nach Haithabu um, deren Einwohnerzahl in der Folgezeit durch Zuzug rasch anwuchs. Haithabu wurde im 9. Jahrhundert zu dem Platz im Norden Europas, an dem Menschen zuerst in einer stadtartigen Siedlung zusammenwohnten. 
Hier gelang es erstmals, den Übergang von den gewohnten ländlich dörflichen zu den neuartigen städtischen Formen des Siedelns und und Lebens zu vollziehen.Bald gewann Haithabu durch den Fernhandel als "Hafen Westeuropas an der Ostsee" überregionale Bedeutung. Im 9. und 10. Jhr. war es der zentrale Handelplatz Nordeuropas. Am Ort wurden vielfältige handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt. Mit Hilfe der weitgespannten Verbindungen des Fernhandels waren Beschaffung der benötigten Rohstoffe wie Absatz qualitätsvoller Handwerksprodukte aus Haithabu möglich.
Rund 1000 Einwohner besaß die Siedlung während ihrer Blütezeit. Haithabu musste zu dieser Zeit als sehr große Stadt zählen, die eine erhebliche Wirtschaftsleistung erbrachte. Seine Bewohnerschaft würde man heute sogar als international bezeichnen; denn hier lebten Friesen, Dänen, Schweden, Norweger, Sachsen, Franken und Slawen zeitweilig miteinander und betrieben ihre Geschäfte. Sie lebten in den für Haithabu typischen Häusern.
Politisch gehörte Haithabu fast während der gesamten Dauer seines Bestehens zum dänischen Reich. Lediglich in der Zeit von 934-983 n.Chr. übte das Deutsche Reich eine gewisse Oberherrschaft über das Eider-Schlei Gebiet und wohl auch die Stadt aus. Haithabu war zeitweilig dänischer Königssitz und Sammelplatz von Heer und Flotte in unmittelbarer nähe zum Danewerk. Der Ort war herrschaftlich organisiert. Als Stadtherr ließ der dänische König seine Herrschaftsrechte durch den Wikgrafen als von ihm eingesetzten Stellvertreter wahrnehmen. Diese aufgaben bestanden vermutlich in erster Linie darin, Steuern einzuziehen, den Marktfrieden zu sichern und das militärische Oberkommando zu führen.
Wichtige kulturelle Impulse sind über Haithabu aus dem Süden und Westen Europas in den Norden und Osten vermittelt worden. Von diesem ort nahm die Christianisierung Skandinaviens ihren Ausgang: Um 850 errichtete man in Haithabu die erste christliche Kirche, hier hier erklang eine der ersten Kirchenglocken in Nordeuropa. 948 wurde Haithabu zum Bischofssitz erhoben.
Im 11. Jahrhundert begann der Niedergang der Stadt, dessen Ursachen noch weitgehend ungeklärt sind. Plünderungen und Brandschatzungen (1050 und 1066 n.Chr.) beschleunigen diesen Prozess. der Siedlungsplatz verödete schließlich gegen Ende des 11. Jahrhunderts. Seine Städtischen Funktionen übernahm die auf dem Nordufer der Schlei gelegene Siedlung des heutigen Schleswig.

Die Bilder in diesem Bereich stammen aus dem Buch

Haithabu, Schaufenster einer frühen Stadt

und dem

Wikingermuseum in Haithabu (Schleswig)

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